Chorfahrt nach Heilbad Heiligenstadt 13. – 15. Oktober 2017

Chorfahrt nach Heilbad Heiligenstadt 13. – 15. Oktober 2017

Die diesjährige Chorfahrt des Chores von St. Josef Köpenick samt Angehörigen und Ehemaligen führte uns ins Eichsfeld. Birgit und Ecki hatten alles perfekt geplant, und so fanden wir uns bei sommerähnlichen Temperaturen am Freitagabend um 18 Uhr im Jugend- und Erwachsenenbildungshaus Marco Callo im Heilbad Heiligenstadt ein. Gleich nach dem Abendessen wurde die erste Chorprobe abgehalten. Schließlich sind wir nicht nur zum Vergnügen da, und das nächste Adventchorkonzert rückt näher! Eine Nachtwächterführung durch Heiligenstadt rundete den Abend mit Wissenswertem und Anekdoten rund um das hübsche Städtchen in Thüringen ab. Hätten Sie gewusst, dass Theodor Storm hier als Richter tätig war, Heinrich Heine sich taufen ließ, dass die Gebrüder Grimm auch mal hier waren und die Eichsfelder Möhrenkönige heißen? Begleitet vom Rauschen des Wassermühlrads und vorbei am Wasserfall der Geislede sahen wir so manche Sehenswürdigkeit in einem schmucken Städtchen, dem man ansieht, dass die Region schon immer für ihr gutes Handwerk bekannt war. Und noch etwas fällt in Heiligenstadt auf: die vielen aktiven Kirchgemeinden. Bei knapp 17.000 Einwohner gibt es zwei katholische und eine evangelische Kirche, und wer die Abwechslung liebt, kann auch mal den Gottesdienst bei den Schwestern im Kleinen   Paradies oder im Bergkloster Heiligenstadt besuchen. Ja, braucht es denn so viele Gottesdienste in einer säkularen Zeit, die auch am Eichsfeld (Eicksfeld ausgesprochen!) nicht ganz spurlos vorbeigegangen ist? Noch heute sind 70 Prozent der Eichsfelder katholisch, aber das war keineswegs immer so, wie wir am Sonntagnachmittag in einer Museumsführung erfuhren: Nach der Reformation war das Eichsfeld komplett evangelisch. Aber dann kam 1555 der Augsburger Religionsfrieden und nun hieß es: das Volk hat die Religion des Landesherrn anzunehmen. Ein Dekret ist das eine, aber wie durchsetzen? Das hat sich offenbar auch der Mainzer Fürstbischof gefragt, der zu dieser Zeit der Landesfürst vom Eichsfelds war. Er muss ein schlauer Mann gewesen sein, denn er schickte kein Heer, das die Menschen mit Waffengewalt zu überzeugen suchte. Er schickte zwei Männer mit Bildung und Weitblick.  Jesuiten. Und die gaben den Menschen das, was sie offenbar am meisten brauchten: Bildung für die Kinder (zu dieser Zeit leider nur für die Jungen) und spirituelle Führung. In dieser Zeit hieß das strenge und wortgewaltige Predigten, Einführung der anonymen, von Milde geprägten Beichte (erste Beichtstühle stammen aus dieser Zeit – zuvor kniete man offen vor dem Seelsorger), und bildgewaltige Rituale wie Prozessionen sowie Ausstellung prächtiger Reliquienschreine.  Die Menschen dieser Zeit konnten ja weder lesen noch schreiben, sie brauchten Bilder, um sich den Glauben anschaulich machen. Das mag man heute als „faulen Zauber“ bezeichnen, die Jesuiten wussten offenbar, dass Klappern zum Geschäft gehört. Aber nicht zu vorschnell geurteilt. Hängen wir nicht auch heute noch an den Ritualen des Kirchenjahres, aus deren feierlicher Begehung wir genauso Kraft schöpfen, wie aus den mit dem Wort vermittelten „eigentlichen“ Inhalten des Glaubens. Aus der Gemeinschaft mit anderen netten Menschen, die auch in unserem Chor mehr ist, als das gemeinsame Singen jeden Donnerstagabend und die „Auftritte“ in Gottesdiensten im große Konzert im Dezember. Gemeinsam durch das herbstliche Eichsfeld zu wandern, die Burg Hanstein zu besichtigen, im Schlachtermuseum die berühmte Eichsfelder Stracke zu erstehen, eine Vesper in der kleinen Kapelle eines Nachbarorts nur für uns allein zu begehen, zu der der Chorleiter Tobias Segsa eigens seine „Reiseorgel“ mitgenommen und ein Programm geschrieben hatte, der feierliche Abschluss in der Messfeier von St. Marien am Sonntag, all das gibt uns mehr, als man hier in Worte fassen kann.

Nach Kaffee und selbstgebackenem Kuchen, welches die Eichsfelder Familie unseres Chormitgliedes Birgit uns zum krönenden Abschluss im Gewölbekeller des Heimatmuseums kredenzte, waren sich alle einig. Nach dieser Vorlage durch Familie Wagenmann, hängt die Messlatte für die Organisation von Chorfahrten ziemlich hoch. Aber wir werden es wieder wagen, weil es so schön war!

Sabine Fitzek für den Chor von St. Josef