Karneval in St.Josef am 29.01.16

Büttenrede 2016, gehalten in St.Josef beim Karnevalsabend:

 

Ich grüße wieder alle Jecken,
die in ihren Kostümen stecken.
Als ich im Vorfeld Zeit mir gönnte
und dachte, was ich sagen könnte,
kam die Idee: Mach `s wie ´n Pastor,
nimm dir einfach die Bibel vor.
Soll das die „frohe Botschaft“ sein,
dann passt sie auch zum Fasching ´rein.
Man wird sogar oft aufgefordert,
zur Fröhlichkeit gar hinbeordert.
„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“
schreibt Paulus an die Christenheit.
Und jubeln sollten alle schon
nach einem alten Psalmenton.
Liest man mal nach bei Kohelet
im Vers 9,7. G´nau da steht:
Man trinke seinen Wein vergnügt,
hat Gott uns den doch zugefügt.
Wenn wir nun alle fröhlich sind,
egal ob Frau, Mann oder Kind,
dann folgen wir damit recht penibel
so manchen Worten aus der Bibel.
Und wir erkennen ungeschwächt:
die Bibel, die hat einfach Recht.

Beim Lesen in der Bibel sieht
man doch recht oft, dass einer flieht.
Wohl vor sich selbst einst Jona floh,
ein ganzes Volk vorm Pharao.
Der kleine Jesus musste fort
und floh an eine sich´ren Ort.
Dort hatt´ man Nahrung ihm gegeben
und alles, was er braucht´ zum Leben.
Er hatte Freunde dort gefunden,
sonst wär er aus dem Buch verschwunden. –
Es ehrt gewaltig eine Stadt,
wenn sie mal hohe Gäste hat.
Die Bibel meint, wer Fremde liebt
und ihnen ein Zuhause gibt,
bei dem tritt Jesus selber ein.
So kann ´s nur eine Ehre sein,
wenn wir die Türen nicht verschließen
und unsre Gäste gern begrüßen.
Und es erfreut den Herrn in im Himmel,
wenn Babels großes Sprachgewimmel
nun mancherorts zu Ende geht,
weil man sich einfach gut versteht.
Die Bibel lehrt uns Jahr um Jahr,
auch wie bescheiden Jesus war.
Ein Stall schütze ihn vor dem Regen.
Und Esel gab es zu Bewegen.
Es muss heut´ nicht ´ne Krippe sein.
Ein warmes Bett schon wäre fein.
Klar müssen wir zusammen rücken,
und ohne Sport Zeit überbrücken.
Wer sich zum Sport in Hall´n nur stellt,
sieht nicht die Lilien auf dem Feld.
Lasst uns gern geben, was nicht schwächt.
Ja, diese Bibel, die hat Recht.

Wenn man entlang des Weges zieht,
heißt das nicht gleich, dass man auch flieht.
Ein Weg führt so mit jedem Schritte
ein Stück hin zu der eig´nen Mitte.
Johannes beispielsweis´ verbüßte
die Zeit des Abseits in der Wüste.
Ein ganzes Volk zog durch den Sand
und fand dann das gelobte Land.
Den Jakobsweg in unsern Breiten,
den wollten wieder wir beschreiten.
Im pastoralen Raum zu wandern,
das führt zu mir und auch zum andern.
Es ging zwar nicht durch Wüstensand,
nur durch das brandenburger Land.
Nach wen´gen Schritten war´n wir bald
allein im großen weiten Wald.
Doch Sand, den hatten wir genug,
nur dass er bei uns Bäume trug.
Als Mose durch die Wüste reiste,
er alle mit dem Manna speiste.
Auch wir konnten für Speis´ IHN loben.
Doch kam die Nahrung nicht von oben.
Sie kam zu uns bis an die Spree
in einem großen PKW.
Auch tat uns nicht grad´ Moses leiten
durch große brandenburger Weiten.
Doch wurd´n wir gut geführt – fürwahr
und brauchten keine 40 Jahr´,
fanden das Ziel fast ungeschwächt.
Ja unsre Bibel, die hat Recht.

In unsrer Bibel mancher schreibt,
was g´schied, dass keiner hungrig bleibt.
Ein Ölkrug wurde niemals leer.
Und ein ganz großes Menschenmeer,
litt nach ´ner Predigt keine Not,
denn alle wurden satt dank Brot.
Das las man auch in Rom mal eben,
und hat uns einen Koch gegeben.
Damit das Süppchen gut gelingt,
er in Berlin die Kelle schwingt.
Das Bistum zwischen Mark und See
braucht manch´ gute Rezeptidee.
So kann auch in recht schwier´gen Zeiten
der Bischof Gutes zubereiten.
Da sieht natürlich Bischof Heiner:
die Zahl der Schäfchen, die wird kleiner.
Johannes rief einst wortgewandt
zu Buße, Umkehr. Er verstand,
wie ´s ging, dass ganze Menschenhaufen
sich ließen in dem Jordan taufen.
Dabei musst´ er -ganz ohne Lügen-
mit Jordanwasser sich begnügen.
Wir hab´n dagegen Havel, Spree,
die Wuhle und den Müggelsee.
Da fangt ich dann mit Grübeln an:
wie viel man damit taufen kann.
Ja, Wasser gibt ´s genug im Land.
Wohl hat ´s der Bischof auch erkannt.
Es kürzten sich die Reisezeiten,
könnt´ er auch übers Wasser schreiten.
Auch hier gibt ´s Menschen in Palästen
und solche, die nichts hab´n zu mästen.
Den Bettler sieht man heute kaum.
Die „Tafel“ hat halt einen Raum. –
Was unser Herr im Himmel ehrt:
wenn Eifer für sein Haus verzehrt.
Doch darf man es nicht übertreiben.
Die Kirche muss im Dorfe bleiben.
Der alte Fritz war anerkannt
als so ein echter Protestant.
Und tolerant war er durchaus,
schuf ein kathol´sches Gotteshaus.
Wär´ Ökumene damals schon
bekannt, er hätt´ von seinem Thron
´ne Kathedrale hingebaut,
gleich von Vat. II was abgeschaut,
dass auch nicht nur ein Architekt
den Unmut der Berliner weckt.
(Von Ökumene schrieb nicht mal
das Bibelschreiberpersonal,
denn Jesus hat sie nicht gekannt –
damals im alten heil´gen Land.)
Den Bischof lass´n wir nicht allein.
Da kann ´s durchaus auch Rom mal sein.
Als er dort zum Konzile weilte,
´ne Pilgergruppe zu ihm eilte.
Weit über tausend wollten danken
für unser Deutschland ohne Schranken.
Es waren Stunden ohne Fronten,
die wir in Rom erleben konnten.
Könnt´ das einst Paulus nur erahnen,
es gäb´´nen Brief an die Germanen. –
Wenn jeder zupackt, wo es geht
und unser Koch ´s Rezept versteht,
dann wird das Süppchen gar nicht schlecht
und unsre Bibel, die hat Recht.

In Medien wurde uns erzählt:
es wurden wieder Frau´n gequält.
Die, die das tun, müssten penibel
mal gründlich lesen – unsre Bibel.
Da steht geschrieben: Ja es gilt,
auch Frau´n sind Gottes Ebenbild.-
Das ält´ste, was dem Buch entsprang,
ist ´s Lied, das die Debora sang.
Alttestamentliche Geschichten
könn´n uns von Frauen viel berichten.
Das Kommen Jesu wusst´ genau
natürlich zuerst eine Frau.
War Jesus groß und dann ein Mann,
ließ er auch Frauen an sich ´ran.
Die Fastenzeit, sie würd´ sich weiten
und Ostern gäb ´s nach langen Zeiten,
wären nur Männer wohl befangen
zum leeren Grab einst hingegangen.
Er, der das Weltenende kennt,
dann Schafe und die Böcke trennt,
auf dass die Schafe er geleite
zu sich auf seine rechte Seite.
Auch wenn die Hälfte meint in Ehren,
sie müsst´ den Vers mir erst erklären,
weil sie hier manches anders fanden.
Ich hab´ die Bibel gut verstanden
und weiß, die Worte, die sind echt.
Ja, diese Bibel, die hat Recht.

Die Jesusjournalisten waren
schon alle gar echt alt an Jahren,
hab´n spät, von Gottes Geist getrieben,
das Evangelium geschrieben.
Auch wenn ihn´n vieles widerfuhr,
von Alzheimer ist keine Spur.
Doch etwas fehlt bei allen Vieren,
man möge halt es tolerieren.
Hatt´ Jesus auch viel Freud´ gebracht,
hat er laut Bibel nie gelacht.
Das aber kann ich gar nicht glauben,
denn Lachen kann den Kummer rauben,
gehört zur Fröhlichkeit dazu –
wie ´n rechter zu ´nem linken Schuh.
Die Männer haben wohl indessen
das Lachen Jesu nur vergessen.
Wenn wir nun hier so fröhlich lachen,
zum Frohsinn unsre Späße machen
und sind so ausgelassen heiter,
dann leben wir die Bibel weiter.
Und das ist wirklich gar nicht schlecht.
So hat die Bibel wieder Recht.

M.B.