Rundfunkgottesdienst am 8.11. / Predigt hier…

Am Sonntag, den 8.11.15 um 10.00 Uhr überträgt das rbb-Kulturradio 92,4 den Gottesdienst aus unser Gemeinde.
Zelebrant und Predigt: Pfr. Mathias Laminski

Musikalische Gestaltung: Chor der Gemeinde, Kinderchor und Instrumentalisten

Leitung und Orgel: Tobias Segsa

Predigt zu den Texten: 1 Kön 17,10 – 16 und Mk 12,38-44

Liebe Gemeinde, liebe Hörerinnen und Hörer,
Witwe oder Witwer zu werden…ich glaube danach reißt sich niemand! Und dennoch…für viele auch von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ist das Realität.
Zwei Witwen stehen heute auch in den Lesungen im Mittelpunkt. Das klingt zunächst seltsam, erst recht deshalb, weil sie als Vorbilder dargestellt werden.
Für jemanden, der seinen Ehepartner verloren hat, ist das eine traurige und bittere Erfahrung. Viele kommen darüber kaum hinweg, weil sie alles loslassen müssen, was ihr bisheriges Leben geprägt hat. Der Tod hat denjenigen, der zurückbleibt, in seinem Innersten getroffen und verletzt. Oft droht er zusammenzubrechen, weil der Schmerz darüber kaum auszuhalten ist. Aber wer verletzt ist und wer um das Schwere im Leben weiß, der wird sensibler und hellhöriger für jene, die ebenfalls Schweres zu tragen haben.
So ist es mit der Witwe von Sarepta. Sie hat ein offenes Herz, obwohl sie nicht weiß, ob sie am nächsten Tag für sich und ihren Sohn noch etwas zu essen hat. Das, was sie hat, reicht für heute! Dennoch aber ist sie offen für den, der müde und hungrig ist. Sie weicht nicht aus, lehnt ab oder verschwindet, sondern sie hört dem Fremden zu und teilt schließlich mit ihm das, was sie hat.
So ähnlich ist es mit der anderen Witwe, von der wir heute gehört haben. Sie hat kaum das Nötigste zum Leben, also noch weniger als viele Arme und ist dazu eben noch alleinstehend. Und trotzdem gibt sie von dem, was sie hat…nicht etwas eben, sondern alles…“ihren ganzen Lebensunterhalt“.
Das, was Jesus sagen möchte, ist so schlicht wie einfach: Gib Gott nicht nur etwas, rechne nicht nach und plane im langen Voraus, sondern gib ihm das, was du hast und kannst, und das von Herzen. Gott interessiert sich für das, was mein Herz bereit ist, zu geben. Geld ist ihm letztlich egal! Das Herz ist entscheidend!
Wie ist das denn heute so? Worte wie Hingabe oder Verschenken sind ja nicht sonderlich modern. Heute zählt leider viel zu oft das, was ich habe und vermehren kann, das was ich besitze und vorzeigen kann. Die beiden Witwen aber zeigen etwas anderes: Hingabe und Verschenken, auch Sich-verschenken…bedeutet nicht, dass ich etwas verliere, sondern dass ich ein Vielfaches mehr dadurch gewinne. In der Lesung heißt es ja dann noch so schön: „Der Mehltopf wurde nicht leer und der Ölkrug versiegte nicht.“ Es ist letztlich das, was Gott durch den Propheten Elija versprochen hat.
So sind uns diese beiden Witwen tatsächlich Vorbilder.
Schauen wir mal in unseren Stadtteil Köpenick. In einer Woche wird – dank der Hilfe unseres großartigen Köpenicker Fußballclubs, dem 1.FC Union Berlin, der sein Fan-Haus neben dem Stadion zur Verfügung stellt, eine Winterunterkunft für 120 Flüchtlinge eröffnet.
Es ist kalt geworden und es kommen weiter Menschen, die nicht draußen bleiben können…und klar, da kann man nicht zuerst abwarten und durchrechnen und sagen: Jetzt wird es aber zu viel.
Ich weiß auch nicht, wie das weitergehen soll. Aber ich weiß: Es ist jetzt erstmal Handeln gefordert, auch unser Handeln als Gemeinde in unmittelbarer Nachbarschaft. Wir sind als Gemeindemitglieder angefragt, ganz konkret bei der Essensausgabe zu helfen. Von uns wird in diesem Fall also nicht mal verlangt, alles zu geben…aber etwas, einen kleinen Beitrag dürfen wir tun. Ich bin mir sicher, dass jeder, der dort etwas von sich gibt, dort etwas von seiner Kraft und Zeit verschenkt, viel zurückerhält, kein Geld, sicher!… aber viel Dankbarkeit. Vielleicht kommt jemand mit mir mit.
Papst Franziskus hat vor kurzem in einer seiner kurzen und doch eindrucksvollen Predigten gesagt: Wer jemanden auch nur mit Worten ausgrenzt, der grenzt Jesus aus. Wer jemanden die Tür vor der Nase zuwirft, der wirft sie Jesus vor der Nase zu. Das ist so einfach wie verständlich. Jeder kapiert das und niemand kann sich herausreden oder wegdrehen, erst recht kein Christ.
Zurück nochmal zu den beiden Witwen. Sie haben durch den Schicksalsschlag in ihrem Leben vieles hergeben müssen und viel verloren. Aber sie haben gelernt, sich an Gott zu halten und in diesem Wissen des Gottvertrauens auch gelernt, zu geben. Wer sich an Gott festhält, braucht keine Angst zu haben, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Er braucht auch keine Angst zu haben vor anderen, auch nicht vor Andersdenkenden und Andersgläubigen. Je fester ich im Glauben stehe, desto mehr Halt habe ich und kann anderen zum Halt werden. Kurz und gut: „Wer gibt, der empfängt!“…das galt für die beiden Witwen damals, das gilt auch heute, für Arme und Wohlhabende, für Glaubende und Nicht- oder Andersglaubende. Vielleicht wird diese Botschaft auch mal an den Montagabenden in Dresden ankommen und den einen oder anderen zum Nachdenken bewegen, besonders jene, die mit schwarz-rot-goldenen Kreuzen das ach so christliche Abendland meinen, verteidigen zu müssen.